Virtuelle Sozietät für wissenschaftliche und künstlerische Netzerkundung

Wissenssoziologie der Netzwerkmedien

Die Postulierung der Wissensgesellschaft und der daran anschließende 30-jährige Diskurs lassen vermuten, dass Informationen und Wissen in sozialen Zusammenhängen einen neuen Stellenwert zugewiesen bekommen. Das Projekt soll diese Entwicklung mit der gleichzeitigen Verschiebung der gesellschaftlichen Kommunikationsordnung zugunsten der Netzwerkmedien (Norbert Bolz, Jean Baudrillard) in Verbindung setzen. Es stellt sich dann die Frage nach dem veränderten Umgang mit Wissen durch die Netzwerkmedien. Es geht hierbei in erster Linie um eine explorative Studie über die Formen der Speicherung und Organisation des Wissens und den Zugriff der NutzerInnen darauf.

Das Internet, so die Hypothese, verstärkt dabei die Bedeutung, die Schaffung und Verbreitung von Wissensbeständen enorm. Zwischen 'Globaler Bibliothek' und der 'Info-Flut' liegen die Erwartungen der Gesellschaft - welche Hoffungen und Befürchtungen das Internet auf welche Weise real werden lässt, versucht diese Diplomarbeit anhand der Implikationen des Mediums zu skizzieren.

Medienimmanent ist dabei den Nutzern eine neue Rolle zugewiesen: Anders als bei vorherigen Medien ist bei der Netznutzung der Zwang zur ständigen Selektion gegeben. Traditionelles Gatekeeping im Sinne eines Agenda Settings, einer Homogenisierung gesellschaftlicher Diskurse (Luhmann) verabschiedet sich zu Gunsten einer Ökonomie der Aufmerksamkeit. Der scheinbar unbeschränkte Zugriff auf Wissen und die eigenverantwortliche Wahl der Inhalte sind erste Anzeichen für ein veränderten Umgang. De-Marginalisierung und Ent-Massung könnten dabei zwei wichtige Prinzipien der Netzwerklogik im Umgang mit digitalen Repräsentationen von Wissen sein.

Mit der Untersuchung, wie sich transformiertes Offline-Wissen im Internet verändert, soll nicht das originär digitale Wissen aus dem Blickfeld verschwinden. Denn hier entstehen neue Wissensbestände, deren Eigenleben im Sinne einer Verbreitung und Rezeption bisher unbeleuchtet blieb.

In dieser Arbeit sollen die Betrachtungen der Organisation von und der Zugriff auf Wissen mit der Rolle sozialer, virtueller Netzwerke verbunden werden: Welchen Stellenwert haben solche Zusammenhänge für das Auffinden von gesuchten Wissensbeständen? Sind diese Netzwerke, wie sie in Mailinglisten und Newsgroups zu finden sind, ein wichtiges Mittel der Selektion und der Generierung von Aufmerksamkeit? Das Projekt soll darauf erste Antworten finden.

Projektverantwortlicher: Kai Lehmann


Zuletzt geändert: 26.02.04

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