Virtuelle Sozietät für wissenschaftliche und künstlerische Netzerkundung

Multimedia-Projekt

MSI - Modulares Seminar-Interface (2001-2005)

MSI Logoentwickelt vom Fachbereich 8 der Universität Bremen in Kooperation mit der Creative Network Factory und dem Forschungszentrum Arbeit - Umwelt -Technik (artec)

Das "modulare Seminar-Interface" (MSI) war ein webbasiertes Computerprogramm zur Unterstützung sozial- und geisteswissenschaftlicher Lehrveranstaltungen. Mit dem MSI sollte demonstriert werden, dass auch diskursorientierte Lehrveranstaltungen durch telematische Anwendungen bereichert werden können.

MSI-Portal

Das MSI diente nicht, wie viele der damals entwickelten Multimedia-Module, der Interaktion zwischen 'Mensch und Maschine', es diente vielmehr der Kommunikation zwischen Menschen, zwischen Lehrenden und Lernenden. Das MSI war also kein weiteres Lernprogramm, sondern ein Kommunikationsmittel, das sich der Möglichkeiten der neuen Medien bediente. Primäres Ziel war es dabei, einen zusätzlichen, möglichst offenen virtuellen Kommunikationsraum für die universitäre Lehre bereitzustellen.

Das MSI war primär für Lehrveranstaltungen gedacht, in deren Zentrum die diskursive Auseinandersetzung mit Theorien und/oder Themenkomplexen auf Basis von Fachliteratur oder lebensweltlichen Texten stand. Sein wichtigster Bestandteil waren Funktionen zur Annotierbarkeit von Texten: Seminartexte sollten nicht nur online gelesen, sondern auch unmittelbar am Bildschirm abschnitts-, absatz- oder auch satzweise mit 'Randnotizen' versehen werden können: Nachfragen, Anregungen, Kommentare, Hinweise auf Sekundärliteratur, Links. Diese Kommentierungen konnten von allen anderen SeminarteilnehmerInnen eingesehen und ihrerseits kommentiert werden. Es entstand so eine baumförmige Kommentierungsstruktur, die auch optisch entsprechend abgebildet wurde. Je nach Absprache im Seminar konnten einzelne Textstellen und ganze Texte so vor und/oder nach der Präsenzveranstaltung im "virtuellen Seminarraum" diskutiert werden. (Andere Funktionen, wie sie auch die verschiedensten, bereits vorhandenen kommerziellen Programme kennen, dienten beim MSI primär der Unterstützung dieser 'Diskursfunktion' und der Vereinfachung der Kommunikation unter den Beteiligten.)

MSI Textfenster

Didaktisches Ziel des Einsatzes sollte es sein, universitäre Lehre nachhaltiger zu gestalten, die Qualität der Diskussionen zu verbessern und dabei die einzelnen TeilnehmerInnen stärker einzubeziehen. Das MSI sollte nicht nur den Studierenden die Möglichkeit geben, sich zeit- und ortsunabhängig an der Seminardiskussion zu beteiligen, sondern auch eine stringentere Vorstrukturierung und systematische Nacharbeitung der inhaltlichen Auseinandersetzung ermöglichen. Studierende sollten häufiger, als dies in klassischen Lehrveranstaltungen der Fall ist, die Verantwortung für die Organisation und Strukturierung von Lernprozessen übernehmen. Entsprechend konnte sich die Rolle der Lehrenden von der monodirektionalen Wissensvermittlung hin zu eher moderierenden Aufgaben eines Mentors und Mediators entwickeln. Gleichzeitig sollte das Interface die konkreten Lernprozesse nachvollziehbarer und - für alle Beteiligten - transparenter gestalten.

Die Entwicklung des MSI war dabei mindestens ebenso prozeß- wie produktorientiert. Das Interface wurde über mehrere Semester hinweg unter Anleitung von PD Dr. Michael Schetsche von Studierenden entwickelt, erprobt und immer wieder verändert. Dabei ging es primär auch darum, Studierende Kompetenzen bei der Entwicklung und Evaluation telemedialer Anwendungen zu vermitteln. Nicht zuletzt für diese konkrete Umsetzung des Learning-by-Doing-Prinzips wurde das MSI-Team mit dem Berninghausen-Preis für ausgezeichnete Lehre und deren Innovation 2001 der Universität Bremen geehrt.

Das MSI wurde von Wintersemester 2001/2002 an in verschiedenen Studiengängen des Fachbereichs 8 der Universität Bremen erprobt und evaluiert. Mit der Verfügbarkeit kommerzieller, ständig weiterentwickelter Programme, die viele (wenn auch meist nicht alle) Funktionen des MSI bereitzustellen vermochten, verlor das MSI im Lehralltag zunehmend seine Bedeutung und wurde Frühjahr 2005 abgeschaltet. Es bleibt jedoch ein historisch wichtiger Baustein der Entwicklung und Implementierung telematisch unterstützter Lehr- und Lernformen an der Universität Bremen.


Thomas Krug / Thomas Temme / Michael Schetsche


Zuletzt geändert: 02.04.06

Was wir wollen... Was uns formt... Was wir machen... Bildleiste